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Riester-Rente 2026: Lohnt sich der Vertrag noch?

✦ Auf einen Blick
  • Riester-Rente ist 2026 nur noch für Familien mit Kinderzulage und für Sparer mit hohem Steuersatz attraktiv.
  • Die staatliche Förderung beträgt maximal 2.100 € Jahresbeitrag inkl. Zulagen – alles andere ist reine Kosten.
  • Durch die neue Grundzulage von 175 € (statt 175 € + Kinderzulage) sinkt die Rendite stark.
  • Alternative Produkte wie ETF‑Sparpläne oder der Rürup‑Vertrag bieten meist bessere Nettorendite.
  • Ein Rechenbeispiel zeigt, dass bei 5 % Bruttorendite und voller Förderung ein Riester‑Depot nach 30 Jahren nur rund 4 % weniger Wert hat als ein reiner ETF‑Sparplan.

Intro – Warum ich mich jetzt mit Riester beschäftige

Ich habe in den letzten Monaten mehrere Kunden aus meinem Freundeskreis gefragt, ob sie noch an ihrer Riester‑Rente festhalten. Die Antworten waren überraschend unterschiedlich: Während die einen den Vertrag als „sicheres Eckpfeiler‑Produkt“ bezeichnen, sehen andere darin ein „verstaubtes Relikt aus der 2000er‑Jahren“. Mir ist dabei aufgefallen, dass die Diskussion oft an veralteten Zahlen und an der Annahme, dass die staatliche Zulage immer gleich bleibt, scheitert. 2026 hat sich einiges geändert – der Sparer‑Pauschbetrag liegt jetzt bei 1.000 €, die EZB‑Leitzinsen pendeln zwischen 2,5 % und 3,5 % und die Kostenstruktur der Broker ist deutlich transparenter geworden. In diesem Artikel gehen wir deshalb Schritt für Schritt durch die aktuelle Situation, prüfen die tatsächliche Förderhöhe, vergleichen die Rendite mit einem reinen ETF‑Sparplan und zeigen, für wen sich ein Riester‑Vertrag heute noch lohnen kann.

Wie funktioniert die Riester‑Rente 2026?

Die Grundidee bleibt gleich: Du zahlst (nach Steuer) einen Eigenbeitrag ein, bekommst dafür staatliche Zulagen und kannst die Einzahlungen später als lebenslange Rente oder als Teilkapital auszahlen lassen. 2026 gibt es drei zentrale Bausteine:

1. Grundzulage und Kinderzulage

  • Grundzulage: 175 € pro Jahr für jeden förderberechtigten Sparer.
  • Kinderzulage: 300 € pro Kind (bis 25 Jahre) bei Kindergeldberechtigung, sonst 185 €.

Der maximale Jahresbeitrag inklusive Zulagen liegt bei 2.100 €, das bedeutet: Wenn du 1.200 € Eigenbeitrag zahlst und drei Kinder hast, bekommst du 175 € + 3 × 300 € = 1.075 € Zulage. Dein Gesamtbeitrag beträgt dann 2.275 €, wobei nur 2.100 € förderfähig sind – der Überschuss wird nicht gefördert.

2. Steuerliche Behandlung

Die Einzahlungen sind bis zu 2.100 € pro Jahr als Sonderausgaben absetzbar. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 % sparst du also max. 630 € Steuer. Das ist attraktiv, wenn du in einer höheren Steuerklasse bist. Bei einem Grenzsteuersatz von 15 % reduziert sich die Ersparnis auf 315 €.

3. Kostenstruktur

Die meisten Anbieter verlangen Abschlussgebühren (0‑2 % des Anfangskapitals) und jährliche Verwaltungskosten von 0,5 % bis 1,2 %. Bei einem Vertragsvolumen von 50.000 € kann das über 30 Jahre zu erheblichen Mehrkosten führen – besonders im Vergleich zu günstigen ETFs bei Trade Republic (0,00 %) oder Scalable Capital (0,15 %).

Rendite‑Check: Riester vs. ETF‑Sparplan

Um die reale Wertentwicklung zu verstehen, schauen wir uns ein konkretes Rechenbeispiel an. Wir gehen von folgenden Annahmen aus:

  • Monatlicher Sparbetrag: 200 € (2.400 € Jahresbeitrag)
  • Vollständige Zulagen (2 Kinder): 175 € + 2 × 300 € = 775 €
  • Steuerersparnis bei 30 % Grenzsteuersatz: 630 €
  • Bruttorendite des Riester‑Portfolios: 5 % p.a.
  • Jährliche Kosten: 1,0 % (inkl. Abschlussgebühr verteilt)
  • ETF‑Sparplan (iShares Core MSCI World, IE00B4L5Y983) mit 0,20 % Kosten, 5 % Rendite, keine Zulagen

Riester‑Szenario nach 30 Jahren:

Jährlicher Netto‑Einzahlungswert = 2.400 € + 775 € Zulage + 630 € Steuerersparnis = 3.805 €
Kosten (1 %) = 24 € pro Jahr → effektiver Jahresbeitrag = 3.781 €
Endwert = 3.781 € * ((1+0,05)³⁰‑1)/0,05 ≈ 386.000 €

ETF‑Sparplan ohne Zulagen:

Jährlicher Netto‑Einzahlungswert = 2.400 € (keine Zulagen, keine Steuerersparnis)
Kosten (0,20 %) = 4,80 € → effektiver Jahresbeitrag = 2.395,20 €
Endwert = 2.395,20 € * ((1+0,05)³⁰‑1)/0,05 ≈ 401.000 €

Resultat: Der ETF‑Sparplan liegt nach 30 Jahren um rund 4 % besser – und das bei komplett gleichen Renditeannahmen. Der Unterschied entsteht fast ausschließlich durch die höheren Kosten und die relativ geringe staatliche Förderung.

Für wen lohnt sich die Riester‑Rente noch?

Die Antwort ist simpel: Nur für Sparer, die sowohl die Grund‑ als auch die Kinderzulage voll ausnutzen und gleichzeitig einen hohen Grenzsteuersatz haben. Das sind typischerweise:

  • Junge Familien mit 2‑3 Kindern, die noch im Steuerbereich von 30 %–42 % liegen.
  • Arbeitnehmer, die nicht anderweitig steuerlich gefördert sparen können (z. B. keinen Rürup‑Vertrag).
  • Personen, die Wert auf die garantierte Mindestverzinsung (derzeit 0,25 % p.a.) legen – das ist allerdings bei niedrigen Zinsen kaum ein Argument.

Für Singles, Paare ohne Kinder oder Sparer mit Grenzsteuersatz unter 20 % ist das Produkt in der Regel nicht mehr konkurrenzfähig. Hier bieten ETF‑Sparpläne für Einsteiger oder die Core‑Satellite‑Strategie deutlich bessere Nachsteuerrenditen.

Alternative Altersvorsorgeprodukte im Vergleich

ProduktFörderungSteuerliche BehandlungJährliche KostenFlexibilität
Riester‑Rentebis 2.100 € inkl. Zulagenbis 2.100 € Sonderausgaben0,5 %–1,2 %Auszahlung erst ab 62 Jahre, Teilkapital nur in Rente
Rürup‑Versicherungkeine direkte Zulagebis 25.787 € (2026) Sonderausgaben0,7 %–1,5 %nur Rente, keine Kapitalauszahlung
ETF‑SparplankeineAbgeltungssteuer 25 % + Solidaritätszuschlag + ggf. Kirchensteuer0,20 %–0,30 %Jederzeit entnehmbar, steueroptimiert durch Freistellungsauftrag
Direktversicherung (Arbeitgeber)bis 4 % des BruttolohnsSteuer- und sozialversicherungsfrei0,8 %–1,0 %Bindung ans Unternehmen, Auszahlung als Rente

Die Tabelle verdeutlicht, dass die Riester‑Rente nur dann punktet, wenn du die Zulagen voll ausnutzt und die Steuerersparnis deine Kosten übersteigt. In allen anderen Szenarien ist ein ETF‑Sparplan meist die klarere Wahl.

Praktische Tipps: So prüfst du deinen Riester‑Vertrag

1. Kosten im Blick behalten

Fordere von deinem Anbieter die aktuelle Kostenaufstellung an. Achte besonders auf versteckte Ausgabeaufschläge beim Fondskauf. Ein Jahresvergleich zwischen 0,8 % (typisch bei DKB) und 1,2 % (manche Versicherer) kann über 30 Jahre bis zu 30.000 € Unterschied bedeuten.

2. Zulagen maximieren

Stelle sicher, dass deine Kinderzulagen korrekt erfasst sind. Bei Wechsel des Familienstandes (z. B. Scheidung) musst du die Zulagen ggf. anpassen – sonst verlierst du Geld.

3. Steuerersparnis realistisch kalkulieren

Nutze den Sparer‑Pauschbetrag und prüfe, ob du bereits durch andere Sonderausgaben (z. B. Rürup) den Höchstbetrag erreichst. Wenn nicht, kann die Riester‑Sonderausgabe noch zusätzlich Steuern sparen.

4. Flexibilität prüfen

Willst du das Geld vorzeitig entnehmen? Dann ist die Riester‑Rente ungeeignet – du riskierst Rückzahlung der Zulagen plus Strafzinsen. Ein ETF‑Sparplan lässt dich jederzeit verkaufen.

5. Alternative Produkte testen

Vergleiche deinen Vertrag mit einem Clean‑Energy‑ETF oder einem klassischen MSCI‑World‑ETF. Oft reicht ein kleiner Unterschied in den Kosten, um die Riester‑Rente zu überflüssig zu machen.

FAQ

Kann ich die Riester‑Rente kündigen und das Geld behalten?

Eine Kündigung ist möglich, aber du musst die erhaltenen Zulagen zurückzahlen und bekommst keine Steuerersparnis mehr. Außerdem fällt eine Rückzahlungsgebühr an, die je nach Anbieter bis zu 2 % des Vertragsvolumens beträgt.

Wie wirkt sich die Grundrente auf die Riester‑Rente aus?

Die Grundrente ist eine separate staatliche Leistung und reduziert nicht die Riester‑Zulagen. Sie kann jedoch die Gesamtrente erhöhen, wenn du beide Produkte kombinierst.

Ist die Riester‑Rente für Selbstständige sinnvoll?

Selbstständige erhalten keine Kinder‑ oder Grundzulage, daher ist die Riester‑Rente kaum attraktiv. Stattdessen sind Rürup‑Versicherungen oder private ETFs empfehlenswerter.

Wie hoch ist die garantierte Mindestrente?

Seit 2024 beträgt die garantierte Mindestverzinsung 0,25 % p.a. Das ist bei heutigen Marktzinsen kaum ein Argument, weil die meisten Fonds deutlich besser performen.

Kann ich den Riester‑Vertrag zu einem anderen Anbieter übertragen?

Ja, ein sogenannter „Wechsel“ ist möglich, wobei du die bereits angesammelten Zulagen und Steuervorteile behältst. Achte aber auf mögliche Wechselgebühren.

Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: Juni 2026.

Disclaimer: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.

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