- Der Sparer‑Pauschbetrag von 1.000 € pro Person kann jährlich bis zu 250 € an Kapitalertragsteuer einsparen.
- Ein korrekt eingestellter Freistellungsauftrag bei allen Broker‑Konten ist Pflicht, sonst geht Geld an das Finanzamt.
- Durch geschicktes Kombinieren von thesaurierenden und ausschüttenden ETFs sowie einem optimalen Order‑Timing lässt sich der Pauschbetrag voll ausnutzen.
- Ein Rechenbeispiel zeigt, wie schon 10 Jahre Zins‑ und Steuerersparnis deine Rendite um fast 5 % erhöhen können.
- Praktische Tipps: Depot‑Übersicht prüfen, Freistellungsauftrag anpassen und Steuervorteile beim Jahressteuerausgleich sichern.
Intro – Warum der Sparer‑Pauschbetrag oft ungenutzt bleibt
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder beobachtet, dass selbst erfahrene ETF‑Sparer kaum von ihrem Sparer‑Pauschbetrag profitieren. Mir ist aufgefallen, dass viele ihr Freistellungsauftrag nur bei einem Broker setzen, obwohl sie mehrere Depots bei Trade Republic, Scalable Capital und der DKB haben. Das Ergebnis: jedes Mal fließt ein Teil der Kapitalerträge – oft mehrere hundert Euro – direkt an das Finanzamt, obwohl sie legal steuerfrei wären.
Der Sparer‑Pauschbetrag liegt seit 2024 bei 1.000 € pro Person (2.000 € für Ehepaare). Das bedeutet, dass du bis zu 250 € an Abgeltungssteuer (25 % + Solidaritätszuschlag + ggf. Kirchensteuer) jedes Jahr sparen kannst, wenn du deine Erträge korrekt freistellst. In einem durchschnittlichen ETF‑Depot mit einer Jahresrendite von 6 % kann das schnell zu mehreren tausend Euro über die Laufzeit von 20 Jahren führen.
In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du den Pauschbetrag optimal nutzt, welche Fallstricke es gibt und wie du mit einem einfachen Rechenbeispiel sofort erkennst, welchen Unterschied das für deine langfristige Rendite macht.
1. Grundlagen: Was ist der Sparer‑Pauschbetrag und wie funktioniert der Freistellungsauftrag?
Der Sparer‑Pauschbetrag ist ein Freibetrag für Kapitalerträge. Er gilt für Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne. Sobald deine Erträge den Betrag von 1.000 € übersteigen, wird die Abgeltungssteuer fällig. Damit du die Steuer nicht sofort zahlen musst, richtest du bei deinem Broker einen Freistellungsauftrag ein.
Wie hoch ist der Freibetrag?
- Einzelperson: 1.000 € pro Jahr
- Ehepaar/Lebenspartner (gemeinsame Veranlagung): 2.000 € pro Jahr
Wo muss der Auftrag eingereicht werden?
Jeder Broker, bei dem du ein Depot hast, muss separat einen Freistellungsauftrag erhalten. Das gilt für klassische Banken (DKB, Comdirect) genauso wie für Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital). Wenn du mehrere Konten hast, musst du den Pauschbetrag aufteilen – zum Beispiel 500 € bei Trade Republic und 500 € bei der DKB.
Was passiert, wenn du keinen Auftrag stellst?
Dann führt dein Broker die Abgeltungssteuer automatisch ab. Du bekommst am Jahresende eine Steuerbescheinigung, die du in deiner Steuererklärung angeben musst – das kostet Zeit und ist meist weniger vorteilhaft, weil du die bereits gezahlte Steuer nicht zurückbekommst, solange du nicht über den Pauschbetrag hinausgekommen bist.
2. Praktische Umsetzung: Freistellungsauftrag richtig aufteilen
Um den Pauschbetrag optimal zu nutzen, brauchst du einen klaren Überblick über deine Depots. Hier ein einfacher 3‑Schritte‑Plan:
- Depot‑Übersicht erstellen: Notiere alle deine Konten, das aktuelle Depotvolumen und die zu erwartenden Erträge (Dividenden + Kursgewinne).
- Erwartete Jahreserträge schätzen: Verwende die durchschnittliche Rendite deiner ETFs (z. B. 6 % bei iShares Core MSCI World IE00B4L5Y983).
- Freistellungsauftrag verteilen: Setze den Pauschbetrag dort ein, wo du die meisten Erträge erwartest. Beispiel: 600 € bei Trade Republic (wegen hoher Ausschüttungen) und 400 € bei Scalable Capital (wegen thesaurierender ETFs).
Ein gutes Tool dafür ist ein einfaches Excel‑Sheet oder die kostenlose Budget‑App YNAB‑Alternative. Dort kannst du deine Erträge simulieren und sofort sehen, ob du den vollen Pauschbetrag ausnutzt.
3. Thesaurierend vs. Ausschüttend – Wie die ETF‑Wahl den Pauschbetrag beeinflusst
Thesaurierende ETFs reinvestieren Dividenden automatisch, wodurch du keine jährlichen Ausschüttungen bekommst. Das klingt erst einmal steuerlich günstig, weil du keine Dividenden‑Steuer zahlen musst. Doch das bedeutet auch, dass du den Sparer‑Pauschbetrag nicht nutzt, weil keine Ausschüttungen anfallen.
Im Gegensatz dazu zahlen ausschüttende ETFs regelmäßig Dividenden aus. Diese werden sofort besteuert, können aber durch einen Freistellungsauftrag steuerfrei bleiben. Ein Mix aus beiden Varianten ist deshalb häufig die beste Strategie.
Beispiel-Portfolio
| ETF | Typ | Jährliche Rendite (p.a.) | Dividendenrendite | Empfohlener Freistellungsanteil |
|---|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) | thesaurierend | 6 % | – | 0 € |
| Amundi MSCI World (FR0010756078) | ausschüttend | 5,5 % | 1,8 % | 400 € |
| Xtrackers MSCI World (IE00BJ0KDQ92) | ausschüttend | 5,8 % | 2,0 % | 600 € |
In diesem Beispiel würde ich den Pauschbetrag zu 100 % bei den beiden ausschüttenden ETFs setzen, weil dort die Dividenden anfallen. Die thesaurierenden Anteile bleiben unversteuert, weil sie erst beim Verkauf besteuert werden – dort greift der Pauschbetrag nicht mehr, aber das hat in der Regel einen geringeren Einfluss auf die Gesamtrendite.
4. Rechenbeispiel: Wie viel sparst du wirklich?
Stell dir vor, du investierst 20.000 € in einen Mix aus den oben genannten ETFs und erzielst im Schnitt 6 % Rendite pro Jahr. Das ergibt 1.200 € Jahresertrag. Ohne Freistellungsauftrag zahlst du 25 % Abgeltungssteuer + Solidaritätszuschlag (5,5 %) = 26,375 % → 316,50 € Steuer.
Mit einem korrekt eingestellten Freistellungsauftrag sparst du die vollen 250 € (1.000 € × 25 % + 5,5 %). Das bedeutet, du behältst 66,5 % deiner Erträge statt 73,6 %.
Zins‑ und Steuerersparnis über 10 Jahre
Wir gehen von einem jährlichen Reinvestieren aus (Thesaurierung) und einer konstanten Steuerersparnis von 250 € pro Jahr:
- Jahr 1: 20.000 € × 6 % = 1.200 € → nach Steuer 883,50 €
- Jahr 2: (20.000 € + 1.200 €) × 6 % = 1.272 € → nach Steuer 1 033,50 €
- …
- Jahr 10: Gesamtes Depot ≈ 36.785 € ohne Steuer, ≈ 40.285 € mit Steuerersparnis
Der Unterschied von rund 3.500 € entspricht etwa 9,5 % mehr Endkapital – das ist fast die Hälfte eines Jahreszinses von 6 %.
5. Steuererklärung: Was du am Jahresende beachten musst
Selbst wenn du deinen Freistellungsauftrag korrekt gestellt hast, solltest du deine Jahressteuerbescheinigung prüfen. Die meisten Broker stellen die Bescheinigung automatisch in deinem Kunden‑Dashboard bereit. Achte auf folgende Punkte:
- Ob die Bescheinigung den korrekt eingestellten Freibetrag ausweist.
- Ob ausländische Quellensteuern (z. B. US‑Dividenden) bereits angerechnet wurden.
- Ob du ggf. im Rahmen deiner Freistellungsauftrag‑Einrichtung noch Restbeträge bei anderen Brokern geltend machen kannst.
Falls du doch zu viel Steuer gezahlt hast, kannst du das im Rahmen deiner Einkommensteuererklärung geltend machen. Der Pauschbetrag wird dann automatisch berücksichtigt – du bekommst das zu viel gezahlte Geld zurück.
6. Tipps, um den Pauschbetrag jedes Jahr voll auszuschöpfen
- Jährlich prüfen: Jeden Jahreswechsel deine Erträge und den noch verfügbaren Pauschbetrag kontrollieren.
- Freistellungsauftrag anpassen: Wenn du im Vorjahr mehr Erträge hattest, erhöhe den Anteil beim Broker mit den höchsten Ausschüttungen.
- Dividenden‑Reinvestition gezielt steuern: Bei ausschüttenden ETFs kannst du die Dividende automatisch in einen thesaurierenden ETF umschichten, um langfristig von Zins‑ und Zinseszinseffekten zu profitieren.
- Broker‑Kosten im Blick behalten: Manche Broker (z. B. Trade Republic) erheben keine Order‑Gebühren, dafür gibt es eine Fremdkostenpauschale. Diese Kosten können deine Steuerersparnis mindern.
- Steuer‑Optimierung bei Ehepaaren: Nutzt beide Partner den vollen Pauschbetrag, indem ihr die Erträge auf beide Depots verteilt.
7. Häufige Fragen (FAQ)
Wie oft kann ich den Freistellungsauftrag ändern?
Du kannst ihn jederzeit anpassen – praktisch jederzeit online in deinem Kunden‑Login. Es gibt keine Beschränkung, aber Änderungen werden meist erst zum nächsten Quartalsende wirksam.
Was passiert, wenn ich im laufenden Jahr den Pauschbetrag überschreite?
Dann führt dein Broker die Abgeltungssteuer für den überschüssigen Betrag ab. Du kannst das im nächsten Jahr wieder ausgleichen, indem du den Freibetrag neu verteilst.
Gilt der Pauschbetrag auch für Kursgewinne beim Verkauf von ETFs?
Nein. Der Pauschbetrag bezieht sich nur auf laufende Erträge (Dividenden, Zinsen). Kursgewinne werden erst beim Verkauf besteuert und können nicht über den Pauschbetrag abgedeckt werden.
Kann ich den Pauschbetrag auf mehrere Personen verteilen?
Ja – bei gemeinsamer Veranlagung kannst du 2.000 € nutzen. Alternativ kannst du Kindern einen Freistellungsauftrag bis 801 € (Stand 2026) erteilen, wenn du ein Depot für sie hast.
Wie wirkt sich der Sparer‑Pauschbetrag auf meine Steuererklärung aus?
Der Pauschbetrag wird automatisch im Steuerbescheid berücksichtigt. Wenn du zu viel Steuer gezahlt hast, bekommst du die Differenz erstattet – du musst dafür nur die Bescheinigung deines Brokers einreichen.
Mehr zum Thema Steuern findest du in unserem Freistellungsauftrag-Guide und im Vorabpauschale-Artikel. Für die Strategie dahinter lohnt sich auch Thesaurierer vs. Ausschütter.
Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: Juni 2026.
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.
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